SZ vom 13.10.2000 Sport Künstler Uli Schaarschmidt Karate auf Papier Uli Schaarschmidt, 49, hat keine Ahnung von Karate, sagt er. Trotzdem sitzt er bei der Weltmeisterschaft an den Matten und skizziert mit Stiften die Kämpfe in der Olympiahalle. Ein Gespräch über die Auseinandersetzung Mensch gegen Mensch, fliegende Fäuste und wilde Französinnen aus Sicht eines Künstlers. Was stellt dieses Bild denn dar? Das ist der Kampf Japan gegen Frankreich. Ich zeichne Kampfszenen. Aber man erkennt ja kaum etwas? Es ist wie bei Impulsen. Man sieht nur die Bewegungslinien. Und die roten Flecken sind die Fäuste? Nein, alles was farbig ist, sind Köpfe, Fäuste, Füße. Hier, diese Frau schwingt den Fuß zum Kopf der Gegnerin. Man sieht vor allem krakelige Kreise. Warum machen Sie das? Ich bin Künstler. Dank dem Bayerischen Karate-Verband bin ich zum ersten Mal beim Karate und begeistert. Warum? Es ist eine wahnsinnige Intensität, die geht auf jeden über. Der Kampf Mensch gegen Mensch fasziniert mich. Was etwa die Frauen ausstrahlen, ist beeindruckend. So schnell kann man nicht gucken, wie die attackieren. Geschweige denn malen. Das geht schon. Im Grunde hoffe ich dorthin zu kommen, dass mein Auge etwas tut und meine Hand etwas anderes macht, also selbstständig arbeitet. Das ist bestimmt schwer. Naja. Ich habe vorher verschiedenes gemacht, wo ich auch schnell sein musste. Zum Beispiel Starts von Flugzeugen gezeichnet. Was malen Sie außer Karate? Was mich innerlich beschäftigt. Präzisieren Sie das bitte. Ich bin ein Mensch, der liest. Ich brauche Austausch, nehme Bilder auf und verarbeite diese mit eigenen Bildern. Kann man die Karate-Bilder kaufen? Jetzt will ich erst mal arbeiten. Wenn es gut gelingt, möchte ich in einem Karateklub eine Ausstellung machen. Wieviel Bilder werden Sie malen? Weiß ich nicht. Ich bleibe bis zum Sonntag. Am Freitag kommen die Männer dran, da wird die Intensität der Kämpfe steigen. Und auch die Intensität in meinen Bildern. Haben die Bildern einen Titel? Ja, durchaus, das hier heißt zum Beispiel: "Japan gegen Frankreich"! Aber die sehen alle ähnlich aus. Nein, nach einigen Stunden kristallisieren sich Individuen heraus. Man sieht charakteristische Körperhaltungen. Da konzentriere ich mich drauf. Wie erkennt man das auf den Bildern? Sie müssen drei Meter weg gehen. Hier, ist alles wild gemalt. Aber die Französinnen sind eben wild.
Interview: Gerald Kleffmann. Foto: Privat. |