Presseinfo / Press Release

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open mind - Kunst durch Disziplin
Wohin geht die Reise? - Where are we going?

Aggression - Dynamik - Harmonie
Gedanken zu den Karate – Bildern Uli Schaarschmidts



„So wie die blanke Oberfläche eines Spiegels alles wiedergibt, was vor ihm steht, und wie ein stilles Tal selbst den schwächsten Laut weiterträgt, soll der Karateschüler sein Inneres leer machen von Selbstsucht und Boshaftigkeit, um in allem, was ihm begegnen könnte, angemessen zu handeln.“
(Meister Funokoshi)

Uli Schaarschmidts Bilder suggerieren zunächst Dynamik, Wildheit, ja sogar Aggression. Als Maler nimmt er an Karate-Weltmeisterschaften teil, um deren Konzentration in höchster Energie einzufangen.
Die Samurai – als asiatische Kampfkünstler – üben seit Jahrhunderten die Konzentration des Geistes im Körper. Selbst der besttrainierteste Körper kann von einem „schwächeren“ besiegt werden, wenn jener keinen trainierten Geist hat, denn dann ist er ablenkbar in seiner Konzentration.
„Karat–Do – Der Weg der offenen Hand“, nennt Schaarschmidt seine Bilder: „Vielleicht bin ich ein Maler – Samurai“.
Die Konzentration des Künstlers auf das erlebte Geschehen ist es, welche wir als Betrachter in seinen Bildern erfahren können: Bildrezeption als Bildproduktion, dh. in der Bildbetrachtung können wir erleben, wie der Künstler arbeitete. Wir haben also dreierlei Ebenen :
1.) Die Bewegung der Kampfkünstler
2.) den Malprozess des Künstlers, der durch eigene Bewegung die Dynamik einfängt und schließlich die Ebene der Bildrezeption. Der Betrachter wird durch die Farben und Formen in ein konkretes Bilderlebnis geführt: wir schaffen in der Betrachtung das Bild neu. Der Blick wird z.B. durch die Linien in eine Schnelligkeit geführt, das Rot, welches interessanterweise häufig um die Figuren herum ist, belebt und aktiviert uns, die Mitte der Figuren führt uns in die Stille.

Das eingangs erwähnte Zitat finden wir auf allen drei Ebenen realisiert: Der beste Karate-Kämpfer ist der, welcher seinen Geist so geschult hat, dass er sich leer machen kann von allen Projektionen und Emotionen – dann kann er am besten seinen Gegner wahr – nehmen und entsprechend reagieren. Parallel dazu gelingen Schaarschmidt dann seine besten Bilder, wenn er sich ebenso konzentrieren kann auf das Hier und Jetzt, ohne eigene Projektionen. Wenn er sich so „leer“ machen kann, ist es die wahr – genommene Dynamik, Energie und Konzentration der Karate-Kämpfer, die im schöpferischen Akt seine Hand zu führen scheinen. In den am besten gelungenen Werken ( z.B. „Fadi“, „Karate Kata“) erleben wir nicht die Emotionen des Künstlers, sondern durch ihn die objektive Ebene des noch einmal im Bild stattfindenden Kampfes. Der Künstler wird zum Spiegel, zum Maler – Samurai : Er bildet den Kampf nicht ab, sondern im Malprozess findet er in derselben Konzentration statt – mit Farben und Formen.
Auch für die dritte Ebene, die des Kunstbetrachters, gilt das eingangs erwähnte Zitat: Erst wenn wir uns in der Betrachtung der Werke leer machen von Emotionen, wenn unser Inneres zu einer stillen Seeoberfläche wird, können wir wahr – nehmen: Kunstbetrachtung als schöpferischer Prozess. Dies gilt natürlich für jegliche Kunst-Wahrnehmung, aber durch die Aktualisierung der Karate-Themen in Schaarschmidts Bildern kommt dies zum Bewusstsein. Erst wenn ich als Betrachter konzentriert im Hier und Jetzt vor den Bildern stehe, kann das Kunstwerk als solches, die hohe Ebene der Konzentration und Energie des Karatekampfes, in mir stattfinden: Bildrezeption als Bildproduktion.
In den Kampfkunst-Bildern finden wir ein Spannungsverhältnis zwischen Bewegung und Ruhe, zwischen Linien und Leere, zwischen Farbe und Raum. Balance in der Kampfkunst – Balance in der Kunst – Aggression aus Ruhe – Ruhe in der Aggression. Ein merkwürdiges Phänomen: Wir sehen Dynamik und Aggression und empfinden Ruhe . Aggression kommt von lat. Aggredi und bedeutet voranschreiten, heranschreiten, also zunächst eine völlig wertfreie Bedeutung.
Aggression ist in unserer Gesellschaft verpönt und vielleicht gerade deshalb so weit verbreitet. Das Problem liegt nicht im Aggredi, sondern in den unkontrollierten Gedanken und Emotionendabei, womit wir wieder bei der Schulung der asiatischen Kampfkünste und Uli Schaarschmidts Kunst wären. In etlichen Bildern ( „Karate Kata“, „Karate Kumite Final“, “Fadi“) ist die größte Bewegung – durch schwarze Linien und rote Farbe – um die Körper herum. In der Mitte der dargestellten Kämpfer ist Ruhe, durch Leere oder Weiß. Aus der inneren Ruhe heraus in die extremste Bewegung. Schaarschmidts Kampfkünstler sind in dem Moment aufs Papier gebracht, wo sie auf dem äußersten Gipfelpunkt ihrer Bewegung angelangt sind. Schon die alten Griechen haben in der Klassik des 5. Jh. v.Chr. die Athleten im äußersten Extrem ihrer Bewegung dargestellt, z.B. der Speerwerfer oder der Diskuswerfer. Kurz vor dem Wurf oder Schlag ist die Energie und Konzentration am höchsten, am Höhepunkt der Bewegung ist Ruhe, so wie in einem Wasserstrudel, wenn es außen herum tost, in der Mitte vollkommene Ruhe herrscht.
Das Erlebnis dieses Phänomens in den Kampfkunstbildern Schaarschmidts lässt uns die aktuelle Thematik Aggression versus innere Ruhe neu bedenken. Es geht nicht darum, Aggression zu bekämpfen, denn dann entsteht Krieg, sondern die dahinterliegenden Emotionen ans Licht zu holen und zu transformieren.
In der griechischen Mythologie geht aus der Verbindung von Ares, dem Kriegsgott ( = die Kraft des Aggredi ) mit Aphrodite, der Göttin der Liebe, die Tochter Harmonia hervor !
Resumé Uli Schaarschmidts : „Tu es mit Liebe“ .



Notizen zu den Landschaftsbildern

Schaarschmidts Landschaftsbilder sprechen eine ganz andere Sprache, als die Karate-Bilder. Liebliche Farben, mit Gold überhöht, vermitteln den Eindruck des lebendigen, gleichsam edlen Charakters der Natur. Sie sind teilweise in der Linie eines Emil Schumachers oder Paul Cézannes zu sehen, obwohl sie von der Bildwirkung keinerlei Ähnlichkeiten haben. In Schumachers Bildern werden Naturprozesse nicht abgebildet, sondern finden real statt: Trocknen, Reißen, Fliessen. In Schaarschmidts Landschaftsmalereien sind es nicht diese elementaren Prozesse, sondern es ist die Lebenskraft und das Licht, welches durch die leuchtenden Farben konkretisiert werden. Die Farben glänzen, schimmern, wie die Lebenskraft, das Ätherische oder die Chi – Kraft, wie die Chinesen sie nennen, welche die Natur am Wachsen und Leben hält. Der Betrachter fühlt sich durch Schaarschmidts Landschaften in seiner eigenen Lebenskraft gestärkt.

Copyright: Tanja Jorberg, Kunsthistorikerin - Pinakothek der Moderne München.

Uli Schaarschmidt

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